Ist mein Haustier zu dick?

Dr. med. vet. Sabina Büttner

Wir wissen es: viele Katzen und Hunde leiden heute an Übergewicht. Aber gehört das eigene Tier auch dazu? Häufig nehmen wir nicht wahr, dass unsere Vierbeiner mit den Jahren langsam an Gewicht zulegen. Es braucht deshalb objektivierbare Kriterien, welche aufzeigen, ob ein Haustier zu viel auf den Rippen hat.

Gewicht
Eine scheinbar sehr einfache Methode ist es, das Gewicht des Tieres zu bestimmen und mit den vorgegebenen Rassestandards zu vergleichen. Im Einzelfall sind jedoch diese Angaben häufig wenig hilfreich. So wird beispielsweise für Hauskatzen ein Idealgewicht von 4 bis 5 kg angegeben. Eine grossrahmige Katze kann aber durchaus 6 kg wiegen, ohne übergewichtig zu sein. Noch schwieriger wird es bei Hunden. Die für eine Rasse vorgegebenen Werte haben eine sehr grosse Spannweite. Das optimale Gewicht für Labrador Retriever wird zum Beispiel mit 25 bis 34 kg angegeben. Ein kleiner, leichtgebauter Labrador wird aber trotzdem bereits mit 30 kg an Übergewicht leiden.

Um festzustellen, ob unser Haustier übergewichtig ist, ist es deshalb besser, wenn das aktuelle Gewicht des Tieres mit dem Gewicht verglichen wird, das das Tier bei Erreichen des Erwachsenenalters hatte. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Tier während des Wachstums weder unter- noch überfüttert und das Gewicht zu diesem Zeitpunkt erfasst und anschliessend aufbewahrt wurde.

Körper-Konditions-Index
Von Tierärzten wird heute meist der sogenannte Körper-Konditions-Index (KKI) zur Bestimmung des Ernährungszustandes verwendet. Dabei wird der Fettanteil des Körpers anhand einiger subjektiver Körperkriterien geschätzt. Beurteilt werden:

  • die Körpersilhouette von oben und von der Seite
  • wie einfach die Rippen ertastet werden können
  • die Dicke der Fettschicht entlang des Rückens, der Schwanzbasis und am Bauch

Sie müssen ihr Tier also nur von der Seite und von oben betrachten sowie sanft abtasten, um es in eine der folgenden 5 Stadien einteilen zu können:

KKI 1: 20% Untergewicht
  • stark aufgezogene Bauchlinie von der Seite, ausgeprägte Sanduhrform von oben
  • Rippen leicht zu ertasten
  • kein Fettgewebe zwischen Knochen und Haut
KKI 2: 10% Untergewicht
  • Aufgezogene Bauchlinie, gut erkennbare Sanduhrform von oben
  • Rippen leicht zu ertasten
  • Wenig Fett über vorstehenden Knochen
KKI 3: Idealgewicht
  • Leicht aufgezogene Bauchlinie, erkennbare gut proportionierte Taille von oben
  • Rippen zu ertasten
  • Dünne Fettschicht zwischen Haut und Knochen
KKI 4: 10% Übergewicht
  • Bauchlinie gerade, Rücken von oben verbreitert
  • Rippen nur schwer zu ertasten
  • Knochenstruktur ist noch tastbar und von einer mässigen Fettschicht überlagert
KKI 5: 20% Übergewicht
  • Herabhängender Bauch, keine Taille
  • Rippen nur schwer oder gar nicht zu ertasten
  • Knochen sind von einer dicken Fettschicht überlagert

Grafik nach: http://petnutritionalliance.org/wp-content/uploads/downloads/bcs%20canine%20purina.pdf /
http://petnutritionalliance.org/wp-content/uploads/downloads/feline-purina-body-condition.pdf

Studien zeigen allerdings, dass viele Tierbesitzer ihr Tier falsch einschätzen – auch wenn sie die Beurteilungskriterien für den KKI kennen. Manchmal werden sogar stark übergewichtige Hunde und Katzen von ihren Besitzern immer noch als normalgewichtig eingeschätzt. Wenn Sie selbst also unsicher sind, ob Ihr Tier zu dick ist, dann fragen Sie beim nächsten Besuch den Tierarzt. Er wird Ihr Tier objektiver beurteilen können als Sie. Zudem wird er das aktuelle Gewicht mit den Aufzeichnungen in der Krankengeschichte vergleichen. Sollte Ihr Tier zu dick sein, stehen heute verschiedene, nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammengestellte Diäten zur Verfügung, die Ihrem Tier helfen, langfristig zum Normalgewicht zurückzufinden!       

Für Hunde, die zu Übergewicht neigen:

Für Katzen, die zu Übergewicht neigen:



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